Berechnungen der Lizenz-Compliance (insbesondere für Pakete)

IT-Asset-Management (Cloud)
Der Verbrauch bei Multi-Produkt-Lizenzen für Pakete von Herausgebern kann verwirrend sein. Diese ausführliche Erläuterung richtet sich an Personen, die einen tieferen Einblick in die technischen Gegebenheiten zur Berechnung des Verbrauchs erhalten möchten.
Zur Erinnerung: Kennzeichnen Sie nur dann Produkte Ihrer Multi-Produkt-Lizenz als Zusatzprodukt, wenn Sie dadurch die rechtlichen Bestimmungen Ihrer Lizenzvereinbarung richtig abbilden. Bei den meisten Herausgebern muss die Liste der Produkte einer Multi-Produkt-Lizenz im Allgemeinen in jeder Zeile Primär = Ja anzeigen, da im Lizenzvertrag typischerweise keine Produkte als Zusatzprodukte definiert sind (Ausnahmen hiervon sind IBM und manchmal Oracle – bitte prüfen Sie sorgfältig die Einzelheiten Ihres Lizenzvertrags, vor allem dahingehend, ob es als Zusatzprodukt definierte Produkte gibt, die Lizenzberechtigungen verbrauchen müssen: für „IBM VPC“-Lizenzen sind Zusatzprodukte in der Regel kostenfreie Artikel, die nicht eigenständig Lizenzberechtigungen verbrauchen). Wenn alle Produkte Ihrer Multi-Produkt-Lizenz als primär gekennzeichnet sind, vereinfacht das auch die Ergebnisse der Compliance-Prüfung.
Die Compliance-Berechnung ist in zwei vollständig getrennte Phasen unterteilt, und zwar in der folgenden Reihenfolge:
  • Ermittlung aller möglichen Multi-Produkt-Beziehungen (die Paketphase)
  • Ermittlung aller anderen Verbrauchsverknüpfungen (die Einzelproduktphase, in der einzelne Produktinstallations-/nutzungsdatensätze mit Lizenzen jedweder Art, Einzel- oder Multi-Produkt-Lizenzen, abgeglichen werden.
Abschließend muss ein Zuviel an Verbrauch zugeordnet werden.

Der Einfachheit halber wird in der folgenden Erklärung der Begriff „Installationen“ verwendet, der die Bemessungsgrundlage für gerätebasierte Lizenzen bildet. Andere Lizenzen haben andere Formen des Verbrauchs (Nutzung, Zugriff, Punkte usw.), sodass Sie den Begriff „Installationen“ jeweils entsprechend interpretieren müssen.

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung des automatischen Ablaufs:

  1. Manuell vorgenommene Zuordnungen werden zuerst berücksichtigt und verbrauchen Berechtigungen wie erwartet.
  2. In der Paketphase (immer als nächste berücksichtigt):
    1. Auswahl aller Multi-Produkt-Lizenzen.
    2. Sortierung derselben nach:
      • der absteigenden Anzahl verknüpfter Produkte (die Summe aller primären Produkte und Zusatzprodukte, die mit jeder Lizenz verknüpft sind), und,
      • um bei eventuellem Gleichstand den Ausschlag zu geben, der absteigenden Anzahl verknüpfter primärer Produkte, und,
      • sollte es immer noch einen Gleichstand geben, der Reihenfolge der Erstellung der Lizenzdatensätze. (Dies ermöglicht konsistente Sortierreihenfolgen bei jedem Abgleich.)
    3. Für jede Lizenz in der Reihenfolge der Priorität Auswahl aller inventarisierten Geräte, auf denen mindestens zwei der lizenzierten Produkte installiert sind.
      Tipp: Mindestens eines der auf dem inventarisierten Gerät installierten Produkte muss ein primäres Produkt für die Lizenz sein. Wenn auf diesem Gerät nur Zusatzprodukte installiert sind, aber dieses inventarisierte Gerät Verbrauch für die betroffene Lizenz generieren muss, nehmen Sie eine manuelle Zuordnung vor, um die Verbindung zu erzwingen.
    4. Sortierung der inventarisierten Geräte nach:
      • der absteigenden Gesamtanzahl der installierten Produkte der aktuellen Lizenz (sowohl primäre Produkte als auch Zusatzprodukte), und
      • um bei eventuellem Gleichstand den Ausschlag zu geben, der absteigenden Anzahl installierter primärer Produkte, und
      • sollte es immer noch einen Gleichstand geben, der Reihenfolge der Erstellung der Datensätze für die inventarisierten Geräte.
    5. Verknüpfung der inventarisierten Geräte in der Reihenfolge der Priorität mit der Multi-Produkt-Lizenz, bis die für die Lizenz verfügbaren Berechtigungen verbraucht sind (oder alle ausgewählten inventarisierten Geräte berücksichtigt wurden).
    6. Wiederholung dieses Schritts für die nächste Lizenz in der Reihenfolge der Priorität, bis alle Multi-Produkt-Lizenzen verbraucht sind oder alle Paketinstallationen mit Lizenzen verknüpft sind.
  3. Beginn der Einzelproduktphase:
    1. Auswahl aller inventarisierten Geräte mit Anwendungsinstallationen, die mit keiner Lizenz verknüpft sind.
    2. Sortierung der Geräte/Installationen nach:
      • Relativer Anwendungsedition des Produkts (modernste bis älteste)
      • Relativer Anwendungsversion des Produkts (jüngste bis älteste)
      Tipp: Diese Sortierung stellt sicher, dass konsistente Inventareingangsdaten zu konsistenten Lizenzverbrauchsergebnissen führen.
    3. Danach für jede Anwendung Sortierung der verknüpften Lizenzen nach der aktuellen Priorität, die auf der Registerkarte Lizenzen der Seite mit den Anwendungseigenschaften angezeigt wird. Alle Lizenzen (mit Restkapazität) werden berücksichtigt, egal, ob es sich um Einzelprodukt- oder Multi-Produkt-Lizenzen handelt (dieser Unterschied wird im Moment ignoriert und die Prioritäten entsprechen genau denen, die in den Anwendungseigenschaften bereits hinterlegt sind).
    4. Für jede Anwendung werden die inventarisierten Geräte (Installationen) mit den Lizenzen in der Reihenfolge der Prioritäten verknüpft (wenn die Berechtigungen einer Lizenz erschöpft sind und es noch inventarisierte Geräte gibt, die berücksichtigt werden müssen, wird die nächste Lizenz in der mit der Anwendung verknüpften Liste genommen). Dieser Vorgang hält an, bis die Berechtigungen aller verknüpften Lizenzen verbraucht sind oder bis alle Geräte berücksichtigt wurden.
    5. Wiederholung des Vorgangs für die nächste Anwendung, bis alle Anwendungsinstallationen berücksichtigt wurden oder bis für keine der verbundenen Lizenzen weitere Berechtigungen übrig sind.
  4. Zuordnung des darüber hinausgehenden Verbrauchs, wenn es noch Installationen gibt, die nicht mit Lizenzen verbunden sind.
    1. Wenn auf einem nicht zugeordneten inventarisierten Gerät mindestens zwei Produkte installiert sind, die gemeinsam in Multi-Produkt-Lizenzen vorkommen, wird aus dem verfügbaren Satz an Multi-Produkt-Lizenzen der Lizenz mit der höchsten Priorität der überschüssige Verbrauch zugewiesen.
    2. Bei einzelnen Anwendungen wird der überschüssige Verbrauch mit der Lizenz mit der höchsten Priorität auf der Registerkarte Lizenzen der Seite mit den Anwendungseigenschaften verknüpft. In Fällen, in denen die Lizenz mit der höchsten Priorität eine Multi-Produkt-Lizenz ist, kann der Verbrauch hier nur verknüpft werden, wenn die installierte Anwendung als primäres Produkt für die Lizenz gelistet ist (für Zusatzprodukte müssen andere Lizenzen gefunden werden oder sie bleiben als „nicht lizenzierte Installationen“ übrig).

Beispiel: Die Auswirkungen von Zusatzprodukteinstellungen

Welchen Einfluss die Einstellungen „primär“ und „Zusatzprodukt“ haben, erkennen Sie an zwei vereinfachten Szenarien, bei denen der einzige anfängliche Unterschied der Wert für Primär bei jedem einzelnen, mit den Lizenzen verknüpften Produkt ist. Denken Sie daran, dass Lizenzprioritäten immer auf der Registerkarte Lizenzen der Seite mit den Anwendungseigenschaften hinterlegt sind, und dass sich eine Einzelproduktlizenz und eine Multi-Produkt-Lizenz lediglich in der Anzahl der Werte für Produkt unterscheiden, die in den mit jeder Lizenz verknüpften Anwendungsdatensätzen aufgeführt sind. Das bedeutet, dass Multi-Produkt-Lizenzen bei Bedarf gleichberechtigt mit den Einzelproduktlizenzen priorisiert werden können.
Tipp: Bei den folgenden Szenarien wird davon ausgegangen, dass die Zusatzprodukte eigenständig lizenziert werden müssen (d. h., ebenfalls Lizenzberechtigungen verbrauchen). Denken Sie daran, die Bedingungen Ihrer Lizenz sorgfältig zu prüfen: bei einer „IBM VPC“-Lizenz ist es zum Beispiel üblicher, dass Zusatzprodukte in dem/den lizenzierten Hauptprodukt(en) enthalten sind und nicht eigenständig Berechtigungen verbrauchen.
Betrachten wir die folgenden Szenarien:
Schritt/Artikel Mit nur primären Produkten Mit Zusatzprodukten

Lizenz 1

  • Produkt A (primär)
  • Produkt B (primär)
  • Produkt C (primär)
  • Produkt A (primär)
  • Produkt B (Zusatzprodukt)
  • Produkt C (Zusatzprodukt)

Lizenz 2

  • Produkt B (primär)
  • Produkt C (primär)
  • Produkt D (primär)
  • Produkt B (primär)
  • Produkt C (primär)
  • Produkt D (Zusatzprodukt)
Schritt 2b: Lizenzpriorität
  1. Lizenz 1 (bei Gleichrangigkeit: zuerst erstellt)
  2. Lizenz 2
  1. Lizenz 2 (hat 2 Primärprodukte)
  2. Lizenz 1
Inventarisiertes Gerät X Installationen
  • Produkt A
  • Produkt B
  • Produkt C
  • Produkt A
  • Produkt B
  • Produkt C
Schritt 2e: Geräte verknüpfen
Gerät X wird verknüpft mit Lizenz 1 höchster Priorität und verbraucht:
  • Produkt A
  • Produkt B
  • Produkt C
Gerät X wird verknüpft mit Lizenz 2 höchster Priorität und verbraucht:
  • Produkt B
  • Produkt C

Schritt 3: Einzelprodukte

Keine weitere Aktion (Gerät X ist vollständig zugeordnet)

Produkt A auf Gerät X muss berücksichtigt werden.

Schritt 3c: Lizenzprioritäten auf der Registerkarte Lizenzen der Anwendung Aa (der jüngsten Anwendung, die Bestandteil von Produkt A ist)
  1. Lizenz 35 (vollständig verbraucht)
  2. Lizenz 1
  3. Lizenz 24
  4. Lizenz 846

Schritt 3d: Geräte verknüpfen

Gerät X wird verknüpft mit Lizenz 1, der verfügbaren Lizenz mit der höchsten Priorität, und verbraucht:
  • Produkt A

Vermutlich hätten Sie erwartet, dass eine Multi-Produkt-Lizenz für A, B und C sowie ein inventarisiertes Gerät mit Installationen von A, B und C perfekt zusammen passen und der Verbrauch keiner anderen Lizenz zugeordnet werden könnte. Um jedoch den komplexen Bestimmungen der Lizenzierung von Paketen mancher Herausgeber gerecht zu werden, muss die Einstellung „primär“ (und „nicht primär“ oder „Zusatzprodukt“) auf die oben dargestellte Weise berücksichtigt werden, was dazu führen kann, dass das Muster der „perfekten Installation“ aufgebrochen und der Verbrauch stattdessen zwei verschiedenen Multi-Produkt-Lizenzen (oder einer Multi-Produkt-Lizenz und einer Einzelproduktlizenz, was abhängig von den Lizenzprioritäten ein weiteres mögliches Ergebnis dieser Szenarien sein kann) zugeordnet wird.

Die Moral dieser Geschichte ist: Nutzen Sie den „Primär“-Schalter nicht zu oft. Wenn in der Lizenzvereinbarung einige Produkte nicht ausdrücklich als Neben- oder Zusatzprodukte ausgewiesen sind (was am häufigsten bei Lizenzen von IBM oder Oracle der Fall ist), ist es am besten, alle Produkte einer Multi-Produkt-Lizenz als „primär“ zu belassen.

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